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Axpo

 

  • Hauptsitz: Baden (AG)
  • Branche: Stromproduktion
  • Umsatz/ Gewinn (2010): CHF 6.29 Mrd. / CHF 409 Mio
  • In Besitz von: Kantone AG, AI, AR, GL, SG, SH, TG, ZG, ZH
  • Mitarbeitende (2010): 4‘386
  • CEO: Heinz Karrer

Die Axpo – im Besitz von neun Kantonen – lässt in Russland atomaren Brennstoff für ihre AKW aufbereiten. Dass Teile der Brennelemente aus den stark radioaktiv verseuchten Fabriken in Majak und Seversk stammen, hat die Axpo jahrelang verschleiert. Die erhöhte Krebsrate bei der Bevölkerung und die radioaktive Verseuchung weiter Landstriche hindern den Stromkonzern nicht daran, neue Lieferverträge abzuschliessen. 

Mitte November 2011 gibt die Axpo bekannt, aus Gründen der Transparenz vorläufig auf Uran aus Majak zu verzichten. Den Bezug von Brennmaterial aus der kaum weniger problematischen Anlage in Seversk in Sibirien erachtet die Axpo aber als nachhaltig.


Radioaktive Verseuchung

Die Axpo bezieht Brennelemente aus russischer Produktion. Ein Teil des Brennstoffs besteht aus mittelangereichertem Uran der Wiederaufarbeitungsanlage Majak, ein anderer Teil aus Seversk. Beide Anlagen gehören der staatlichen Atomgesellschaft RosAtom, die aus dem früheren Atomministerium hervorgegangen ist, und ihrem weitverzweigten Netz von Tochterfirmen.

In Majak wird aus abgebranntem Brennmaterial von atombetriebenen Antriebsreaktoren der russischen Eisbrecher- und U-Bootflotte und von abgebranntem Brennmaterial aus dem Brüterprogramm sowie den Forschungsreaktoren Uran herausgelöst. Die Umgebung von Majak (insbesondere der Fluss Tetcha) ist stark radioaktiv verseucht – dies als Folge einer Reihe von Unfällen und dem grob fahrlässigen Umgang mit flüssigen Atomabfällen, die rücksichtslos in die Gewässer geschüttet wurden.
Die Betreiber von Majak beteuern, dass vom heutigen Betrieb keine Gefährdung auf die Umwelt ausgehe. Vielmehr handle es sich bei den Problemen um Altlasten aus der Sowjetzeit. Demgegenüber weisen verschiedene Indizien daraufhin, dass der Normalbetrieb nach wie vor zu erheblichen Freisetzungen führt, die gesundheitliche Schädigungen nach sich ziehen können.

Aus Seversk stammt abgebranntes Uran (aus den früher für das militärische Atomprogramm produzierenden Plutoniumreaktoren), das für den Einsatz in Brennstäben im AKW Leibstadt wiederaufbereitet wird. Auch hier gehen vergiftete Böden und Gewässer zum Teil auf frühere Unfälle zurück. Andererseits zeigen neuere Untersuchungen, dass auch weiterhin radioaktive Stoffe über das in unseren Breitengraden erlaubte Mass freigesetzt werden. Und auch hier machen die Betreiber der Anlage keine klaren Angaben über das Ausmass. Es lässt sich auch in Seversk nicht genau ermitteln, bei welchen Verseuchungen es sich um Altlasten handelt und welche Belastungen dem aktuellen Betrieb zuzuschreiben sind.

Am Schwersten betroffen sind die Menschen im Gebiet des Flusses Tetcha bei Majak (bis 100 km flussabwärts). Als Folge der Unfälle und Kontaminationen in den 50er und 60er Jahren wurden zwar Tausende evakuiert und die Dörfer zerstört – aber nach wie vor leben ca. 28'000 Menschen am Fluss und sind den Gefahren der Strahlung unmittelbar ausgesetzt. Vor allem ältere und genetisch Geschädigte werden als „Strahlenopfer“ anerkannt und erhalten eine minimale Rente, ohne dass eine wirklich nachhaltige Verbesserung der Situation eingetreten ist oder ihnen ein faires Evakuationsangebot unterbreitet wurde.

Das Recht auf freie Meinungsäusserung und das Recht auf Information existieren auf dem Papier. In der Praxis müssen Oppositionelle nach wie vor mit Repressalien rechnen. Die Atombetriebe handeln intransparent und ohne öffentliche Kontrolle. Die beiden zu den Komplexen gehörenden (Arbeiter-) Städte Osiersk (Oblast Tscheljabinsk) bei Majak und Seversk (Oblast Tomsk) sind „geschlossene Städte“: Städte mit sehr eingeschränkter Bewegungsfreiheit und mit Reise- und Aufenthaltsbeschränkungen. Ausländer/innen dürfen diese Gebiete nur mit einer Sondergenehmigung der Behörden betreten. Die Anlagenkomplexe sind völlig abgeschlossen und militärisch bewacht.


Aktueller Stand

Neben der Axpo steht noch ein zweiter schweizerischer Stromproduzent, Alpiq, in der Kritik. Das öffentliche Interesse konzentriert sich vornehmlich auf die Axpo, weil sie in ihrem Umweltbericht falsche Angaben zur Herkunft des Urans machte. Erst aufgrund von Recherchen durch Greenpeace gestand die Axpo ein, dass ihre wiederaufbereiteten Brennelemente auch mit mittelangereichertem Uran aus Majak bestückt sind.

Seit zwei Jahren beteuert die Axpo, sie wolle die Umweltsituation in Majak und Seversk genauer abklären. Das hinderte sie aber nicht daran, bereits im Voraus einen neuen, langfristigen Vertrag für Uran aus Seversk abzuschliessen. Im Juni 2011 wurde ein geplanter Besuch der Anlagen, an dem auch Verwaltungsratsmitglieder (wie etwa der Zürcher Regierungsrat Markus Kägi) teilnehmen sollten, kurzfristig abgesagt. RosAtom verweigerte ohne nähere Begründung den Zutritt zu den Anlagen. Trotzdem will die Axpo an ihrer Geschäftspraxis festhalten und den Bezug von Brennmaterial aus Majak nicht überdenken, solange der laufende Betrieb die Umweltstandards einhalte und die radioaktive Belastung der Fliessgewässer auf frühere Ereignisse zurückzuführen sei.

Inzwischen ist das Thema Gegenstand von parlamentarischen Vorstössen und Debatten in den Räten der (Axpo-)Kantone. Selbst bürgerliche Politiker schliessen sich den Forderungen der Grünen, Grünliberalen und SP nach Auflösung der Verträge an.

Mitte November 2011 gibt die Axpo bekannt, vorläufig auf Uran aus Majak zu verzichten. Die Enthüllungen von Greenpeace haben die Axpo dazu gebracht, diesen Schritt zu machen. Im Prinzip ein richtiger Schritt: Wo keine Transparenz, da keine Lieferung. Allerdings weicht die Axpo auf eine Anlage im sibirischen Seversk aus, welche vergleichbar leichtfertig mit radioaktiven Altlasten umgeht. Die dort angewandte Praxis, radioaktive Abfälle in flüssiger Form ins Erdreich einzuspritzen, ist in keinem anderen europäischen Land denkbar.


Links zu weiterführenden Informationen

 


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