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Danzer Group

 

  • Hauptsitz: Baar (ZG)
  • Branche: Forstwirtschaft
  • Umsatz/ Gewinn (2010):            
  • In Besitz von:                          
  • Mitarbeitende (2010): rund 3‘000
  • CEO: Hans-Joachim Danzer

Danzer baut seit 1993 über ihre Tochtergesellschaft Siforco im Gebiet von Bumba (Équateur Province) der Demokratischen Republik Kongo Holz ab. Der Konzern verpflichtete sich 2005 in einer Vereinbarung, die Menschen vor Ort für die Nutzung ihrer Wälder zu entschädigen. Konkret versprach Danzer in Yalisika den Bau einer Schule und eines medizinischen Zentrums. Das Versprechen wurde nie eingelöst, was zu Protesten der Bevölkerung führte. Im Mai 2011 kam es zu schweren Menschenrechtsverletzungen, nachdem Danzer die Sicherheitskräfte rief.


Versprechen nicht eingehalten

Die Schweizer Danzer-Gruppe ist einer der weltweit führenden Produzenten von Furnieren, Schnitt- und Rundholz. Ihre Tochterfirma Société Industrielle et Forestière du Congo (Siforco) besitzt Konzessionen für mehr als zwei Millionen Hektaren Wald und ist damit die zweitgrösste Holzfirma in der Demokratischen Republik Kongo (DRK). Obwohl das Waldmanagement der Danzer-Gruppe in der DRK charakterisiert ist von einer langen Liste von sozialen Konflikten, hat die Gruppe Zertifikate des Forest Stewardship Councils (FSC) erhalten. Damit eine Firma sich überhaupt mit dem FSC assoziieren darf, müsste sie unter anderem soziale Kriterien wie die Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten erfüllen. Die Danzer-Gruppe selbst bezeichnet ihr Waldmanagement in der DRK als nachhaltig. In ihren Umweltrichtlinien legt die Danzer-Gruppe höchsten Wert auf den schonungsvollen Umgang mit Mensch und Natur: “Our Environmental and Safety Management System (ESMS) seeks to protect all employees, the general public, and our ecosystem”. Die Erfahrung der Menschen von Yalisika ist aber eine andere. Die Danzer-Gruppe begann 1993 über die Tochtergesellschaft Siforco im Gebiet von Bumba (Équateur Province, DRK) Holz abzubauen. 2005 unterzeichnete der Konzern eine Vereinbarung mit der lokalen Bevölkerung und verpflichtete sich, die Menschen vor Ort für die Nutzung der Wälder zu entschädigen. Eine solche Vereinbarung ist  nach dem Waldgesetz der DRK für alle Firmen obligatorisch. Die der Gemeinde Yalisika versprochene Schule und das in Aussicht gestellte medizinische Zentrum wurden jedoch nie gebaut.

In schwere Menschenrechtsverletzungen involviert

Aus Protest gegen die Nichteinhaltung der Versprechen entwendeten einige Bewohner von Yalisika am 20. April 2011 Geräte, die der Siforco (Tochterunternehmen der Danzer-Gruppe) gehörten: ein Radio, eine Solarzelle und Batterien. Siforco reichte Klage ein, welche vom lokalen Gericht abgewiesen wurde. Gleichzeitig forderte die Firma die lokalen Behörden auf, im Streit mit der Gemeinde zu intervenieren. Dies führte in der Nacht zum 2. Mai 2011 zu einem verhängnisvollen Übergriff der lokalen Sicherheitskräfte, als gegen 60 Soldaten und Polizisten die Waldgemeinde brutal angriffen. Ein Dorfbewohner kam ums Leben, mehrere Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt. Weitere unschuldige Personen wurden geschlagen und abgeführt. Zusammen mit dem kongolesischen NGO-Netzwerk Réseau Ressources Naturelles (RRN) führte Greenpeace eine Faktenüberprüfung zu diesem Fall durch und sammelte  Aussagen von verschiedenen Seiten. Das Ergebnis zeigt, dass Siforco direkt in die Menschenrechtsverletzungen vom 2. Mai 2011 verwickelt war. Die Firma stellte die Logistik für den Übergriff bereit, darunter einen Lastwagen mit Fahrer, und bezahlte die Soldaten- und Polizeitrupps, welche die „Vergeltungsmission“ durchführten.

Aktueller Stand

Die Vorkommnisse in Yalisika stellen keinen Einzelfall dar und stehen beispielhaft dafür, wie in der DRK das Geschäft mit dem Holzschlag funktioniert. Trotz der Repression haben die Dorfbewohner/ innen ihren Protest gegen das Unternehmen fortgesetzt und Ende August offiziell Klage eingereicht. Das zeugt von grossem Mut, müssen doch Menschen in der DRK, die sich für ihre Rechte einsetzen, mit massiven Repressalien rechnen.
Im Oktober 2011 versuchte die Danzer-Gruppe, mit der Gemeinde Yalisika eine aussergerichtliche Einigung zu erzielen. Bisher hat sich die Bevölkerung nicht darauf eingelassen und hält die Klage aufrecht. Greenpeace reichte im November beim FSC offiziell Beschwerde gegen die FSC-Zertifizierung der Danzer-Gruppe ein.
Ende Februar 2012 gibt die Danzer-Gruppe bekannt, dass sie ihre Tochtergesellschaft Siforco in der DR Kongo verkauft. Für die Veräusserung von Siforco an die Amerikanisch-Belgische Blattner-Gruppe werden keine Gründe genannt. Die Unternehmensverantwortung für die Vorkommnisse im Mai 2011 lassen sich jedoch nicht verkaufen und die juristische Aufarbeitung des brutalen Angriffs steht noch an.

Weitere Informationen:

 

Fallbeispiel als PDF:

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