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Roche

 

  • Hauptsitz: Basel
  • Branche: Pharmaindustrie
  • Umsatz/ Gewinn (2010): CHF 47,5 Mrd. / CHF 8,9 Mrd.
  • In Besitz von: Hoffmann & Oeri (50.01%), Novartis (33%), andere Shareholder
  • Mitarbeitende: 80’653 (2010)
  • CEO: Severin Schwan

Roche führt in China Studien an Patienten durch, die ein neues Organ erhalten haben. Der Konzern testet ein Medikament, das die Abstossung der transplantierten Organe verhindern soll. In China bestehen kulturell bedingte Vorbehalte gegen die Organspende. Ein Grossteil der transplantierten Organe stammt von hingerichteten Gefangenen. Über die Herkunft der Organe kann der Pharmakonzern keine Angaben machen. Trotz Protesten lässt Roche die Studien zu Ende führen.


Organe von hingerichteten Gefangenen

Verschiedene international tätige Pharma-Konzerne führten in China klinische Studien zu Organtransplantationen durch - aus der Schweiz neben Roche auch Novartis -, was massive internationale Proteste gegen diese ethisch fragwürdige Praxis hervorrief. Novartis hat mittlerweile ihre Studien zu Organtransplantationen eingestellt. Roche hingegen hat ihre Testreihen bis heute nicht gestoppt. Das Roche-Medikament CellCept wird den Patienten nach einer Organtransplantation verabreicht. Es soll mögliche Abstossungsreaktionen verhindern. Seit 2008 wurde das Medikament an rund 300 Patienten (210 Nierenpatienten und 82 Leberpatienten) getestet.

China verkündet stolz, dass in seinen Kliniken etwa 10’000 Organtransplantationen pro Jahr vorgenommen werden. In China gibt es wegen kulturell bedingter Vorbehalte jedoch kaum freiwillige Organspenden aus der Bevölkerung. Ende 2008 räumte der chinesische Vize-Gesundheitsminister Huang Jiefu in einer medizinischen Fachzeitschrift ein, dass mehr als 90% aller transplantierten Organe von hingerichteten Gefangenen stammen. Im März 2010 bestätigte er diese Zahlen an einer Konferenz in Madrid mit den Worten, dass “overreliance on deceased organs from executed prisoners [is] a source that does not comply with international ethical and standard of practice”. Die World Medical Association, die Transplantation Society und sogar die Chinese Medical Association verurteilen diese Praxis aufgrund ethischer Bedenken. Die Freiwilligkeit des Entscheids zur Organspende während der Gefangenschaft kann nicht überprüft werden. Die „Guiding Principles on Human Cell, Tissue and Organ Transplantation“ der WHO verlangen aber Transparenz, genaue Prüfung und Verfolgbarkeit bei der Beschaffung von Organen und der Ausführung von Transplantationen. Diese Transparenz ist in China nicht gewährleistet.

Selbst chinesische Juristen haben öffentlich ihre Befürchtung geäussert, dass die Nachfrage nach Organen zur exorbitant hohen Zahl von Hinrichtungen in China beiträgt - Die Todesstrafe wird in China für 55 Delikte verhängt. Über die Anzahl der Hinrichtungen machen die chinesischen Behörden keine Angaben. Darüber hinaus bestehen Verdachtsmomente, dass transplantierte Organe auch von Gewissensgefangenen wie beispielsweise von Anhängern von Falun Gong stammen. Die UN-Kommission gegen Folter fordert von der chinesischen Regierung eine unabhängige Untersuchung dieses Verdachts. Wenn Roche in China Studien zu Organtransplantationen durchführt, kann der Schweizer Pharma-Konzern nicht ausschliessen, dass die verpflanzten Organe von Gefangenen stammen. Roche untergräbt mit ihren Studien die internationalen Bemühungen, die unethische Nutzung solcher Organe in China zu beenden.

Roche gibt zu, die Herkunft der Organe weder zu kennen noch ausfindig machen zu können. Gleichzeitig behauptet Roche, die nationalen Gesetze sowie internationale Leitlinien im Umgang mit Organtransplantationen strikt zu befolgen. Ein Widerspruch zu den „Guiding Principles on Human Cell, Tissue and Organ Transplantation“ der WHO, die Transparenz, genaue Prüfung und Verfolgbarkeit bei der Beschaffung und Ausführung von Transplantationen verlangt.
Für 2009 bezifferte Roche den Anteil der Organe, die von freiwilligen Spendern stammten, auf 34 Prozent. Diese Zahl wird von der chinesischen Regierung nicht bestätigt. Unbestritten ist, dass der Grossteil der gespendeten Organe von Gefangenen stammt und dass Roche nicht ausschliessen kann, dass auch in ihren Testreihen Organe von Hingerichteten dabei sind.


Aktueller Stand

Actares, die Aktionärsvereinigung für nachhaltiges Wirtschaften, hat den Pharma-Konzern seit 2008 an Aktionärsversammlungen wiederholt aufgefordert, diese Studien einzustellen. Den von der Erklärung von Bern 2010 an die Roche verliehene ‚Public Eye Swiss Award‘ für unverantwortliche Geschäftstätigkeiten hat der Konzern bis heute nicht entgegengenommen. Einige Banken mit Nachhaltigkeitsfonds und CSR-Ratingagenturen, wie zum Beispiel die Triodos Bank, haben Roche aufgrund der Proteste aus ihren Investmentangeboten gestrichen. Im Schweizer Parlament wurden mehrere Interpellationen zum Thema eingereicht, ohne dass Roche ihre Aktivitäten in China geändert hätte. Eine Gruppe von Medizinern hat Anfang Oktober 2011 in der renommierten Fachzeitschrift ‚The Lancet‘ zum Boykott der Chinesischen Transplantationswissenschaft und -forschung aufgerufen, solange in China Organe von hingerichteten Gefangenen gebraucht werden.
Roche beteuerte im Mai 2011 gegenüber dem Schweizer Fernsehen, dass der Konzern keine weiteren Pläne für Studien in China hat. Den anhaltenden Protesten zum Trotz will der Konzern die laufenden Studien gemäss eigenem Fahrplan zu Ende führen.


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